Teilprojekt Lethe: Aufbau eines integrierten Oberflächen-Grundwassermodells

Was ist eigentlich Verockerung?

Das Projektgebiet Obere Lethe ist wie viele Bereiche Nordwestdeutschlands sehr stark von Verockerungserscheinungen betroffen. Der im Gewässer, im Sediment und auf Pflanzen sichtbare rote Ocker beeinträchtigt nicht nur das Erscheinungsbild der Landschaft erheblich, sondern zieht auch erhebliche Schädigungen der aquatischen Biozönose und der Biotopstrukturen nach sich.
Der rote Ocker entstammt hauptsächlich dem Mineral Pyrit, welches auf Grund seiner goldenen Farbe und seines metallischen Glanzes volkstümlich auch als “Katzengold” bezeichnet wird. Der Pyrit kommt in den Böden und Grundwasserleitern Nordwestdeutschlands insgesamt häufig, jedoch in kleinräumig sehr stark variierenden Massenkonzentrationen vor.
In Gegenwart von Sauerstoff oder Nitrat läuft eine hauptsächlich durch Bakterien katalysierte Oxidation ab, im Zuge welcher toxisch wirksames reduziertes Eisen entsteht, das über den Sickerweg oder über den Grundwasserstrom in Fließgewässer gelangen kann. Das reduzierte Eisen bleibt so lange in Lösung, bis es in Anwesenheit von Sauerstoff in Eisenhydroxid überführt wird, welches dann als Ocker ausfällt und sich als rotbrauner Film auf den Gewässergrund und auf Wasserpflanzen- und Tiere legt.
Der Kontakt zwischen Luftsauerstoff und Pyrit kann die Folge einer durch Entwässerungsmaßnahmen (wie Dränagen) verursachten Grundwasserabsenkung sein. Der flächenhafte Eintrag von Nitrat in Boden und Grundwasser resultiert hauptsächlich aus intensiver landwirtschaftlicher Flächennutzung.

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